8. Juli 2017

 

Der Tagesspiegel

Eine Krankenkasse zwischen Obama und Trump

Das New Yorker Startup Oscar mischt den US-Versicherungsmarkt auf. Der Chef ist ein Deutscher mit gutem Draht ins Weiße Haus.

Mario Schlosser ist es gewohnt, Besucher durch seine Firma zu führen. Er schlendert lässig durch die sechste Etage eines wuchtigen Backsteinbaus im New Yorker Viertel Soho, durch ein Büro-Loft mit weißen Wänden und hohen Decken und gelben Stühlen. Zwischen Ping-Pong-Tischen und Cafeteria sitzen junge Menschen mit großen Kopfhörern vor silberfarbenen Laptops.

Was sich anfühlt wie ein Technologie-Startup, ist tatsächlich: eine Krankenkasse. „Jeder, der die Welt von Versicherungen kennt, sagt, dass bei uns eine ganz andere Energie herrscht“, sagt Schlosser, eine Hand in der Tasche seiner Jeans.

Oscar – so heißt die fröhliche Firma – mischt seit 2012 den amerikanischen Versicherungsmarkt auf. Es gibt keine Makler, keine Vertreter, keine Filialen; der Kontakt mit den Versicherten ist digital, interaktiv, nutzerfreundlich. Es ist eine Krankenkasse, die offenbar keine Angst vor einer möglichen Abschaffung von Obamacare hat, dem Gesundheitsgesetz des früheren Präsidenten.

 

 

7. Juli 2017

 

Die Welt

US-Forscher entwickeln die ultimative Sonnencreme

Wissenschaftler haben einen Wirkstoff gefunden, der die Haut bräunt und den körpereigenen Schutz gegen UV-Strahlung aktiviert. Die Sonnencreme der Zukunft könnte auch bei Pigmentstörungen helfen.

Die Sonnencreme der Zukunft sorgt für eine sanfte, gleichmäßige Bräune, ohne weiße Streifen oder rote Flecken wie nach einem ausgedehnten Urlaub am Meer – selbst dann, wenn man tatsächlich bei Dauerregen zu Hause war. Die Rede ist nicht vom Sommerteint aus der Sprühdose. Sondern von einem medizinischen Produkt, das die körpereigene Pigmentproduktion anregt, einer Bräune von innen also.

„Dies ist keine künstliche Bräune“, versichert David Fisher, Chefdermatologe am renommierten Massachusetts General Hospital in Boston, im Gespräch mit der WELT. „Sie ist echt, aber ohne Sonnenstrahlen entstanden.“

 

 

28. Juni 2017

 

Der Tagesspiegel

Jenseits der Schmerzgrenze

Es fing an mit einem gestauchten Halswirbel, Patient 279 brauchte Medikamente – und wurde süchtig. Er ist das Opfer einer Epidemie, 
die in den Vereinigten Staaten wütet
 und so viele Menschen an Drogen sterben lässt wie nie zuvor

Wenn Patient Nummer 279 an das Fenster für die Medikamentenausgabe tritt und die Krankenschwester ihm ein Plastikfläschchen mit einer leuchtend orangefarbenen Flüssigkeit reicht, dann ist das wie ein kleines, gut eingespieltes Ritual. Ein paar freundliche Worte – über die bleischwere Hitze, die sich wie jedes Jahr ab Juni lähmend über das Land legt. Über das Baseball-Spiel in Atlanta am Abend zuvor, das fast vier Stunden dauerte. Über die Politik im fernen Washington. Worüber man so redet in Chatsworth, Georgia, einer Stadt mit 4300 Einwohnern unweit der Grenze zu Tennessee.

Patient 279  ist drogenabhängig. Er ist eines von vielen Gesichtern der Opioid-Epidemie, die seit der Jahrtausendwende in den Vereinigten Staaten wütet.

 

 

26. Juni 2017

 

Deutschlandfunk

Karitative Kliniken als Lückenfüller

In den USA bereiten sich wohltätige Einrichtungen unterschiedlicher Konfessionen auf einen Ansturm von Patienten vor, die auf kostenlose Behandlung angewiesen sind. Denn sollte die Gesundheitsreform Obamacare tatsächlich gekippt werden, könnten Millionen Menschen ihren Versicherungsschutz verlieren.

Das Wartezimmer ist voll, jede der 16 Behandlungskabinen ist besetzt. Ob Karies oder Kronen, Wurzelbehandlung oder Weisheitszähne, Gebiss oder Implantat: Hier in der Ben-Massell-Klinik in Downtown Atlanta gibt es Hilfe für fast jedes Zahnleiden. Ein normaler Vormittag - aber keine normale Zahnarztpraxis.

Ben Massell ist eine wohltätige jüdische Zahnambulanz, die bedürftige Menschen ohne Krankenversicherung kostenlos behandelt. Sie erhält keinerlei staatliche Zuschüsse, finanziert sich ausschließlich von Spenden jüdischer Hilfsorganisationen, Stiftungen und Philanthropen. Ben Massell ist eine von etwa 1.200 rein wohltätigen ambulanten Kliniken in den USA. Bedarf für deren Dienste gebe es immer, sagt Direktor Keith Kirshner.

 

 
 

26. Juni 2017

 

Deutschlandfunk

Kriegspräsident wider Willen

Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 begann das Zeitalter des amerikanischen Interventionismus. Heute, 100 Jahre später, könnte es mit der Präsidentschaft von Donald Trump enden. Der Historiker Manfred Berg hat eine Biographie von Woodrow Wilson geschrieben, der Amerika in den Großen Krieg führte.

Am 2. April 1917 trat der amerikanische Präsident Woodrow Wilson vor den Kongress und sagte jene Worte, die heute in keinem Geschichtsbuch fehlen: Die Welt müsse sicher gemacht werden für die Demokratie. Der Eintritt der USA markierte die Wende im Ersten Weltkrieg.

Der Heidelberger Historiker Manfred Berg hat jetzt eine Biographie des Menschen und Politikers geschrieben, der zum Kriegspräsidenten wider Willen wurde. "Woodrow Wilson. Amerika und die Neuordnung der Welt" – so der Titel – räumt mit zahlreichen Vorurteilen und Zerrbildern über den 28. Präsidenten der USA auf.