24. Oktober 2017

 

Deutschlandfunk

Die betäubte Nation

Es begann in den 90ern, als in den USA plötzlich viel mehr Schmerzmittel verschrieben wurden. Heute wütet dort eine Opioid-Epidemie, vor allem auf dem Land. Knapp 100 Menschen sterben täglich an einer Überdosis von Schmerzmitteln. Damit sich das ändert, müssten Ärzte und Pharmaindustrie umdenken.

Angstattacken, Kreislaufkollaps, Herzstillstand: Menschen, die mit schweren Entzugserscheinungen oder einer Drogen-Überdosis in die Notaufnahme eingeliefert werden, gehören zum traurigen Alltag in Baxley, einer Kleinstadt mit gut 4.000 Einwohnern im Südwesten des Bundesstaates Georgia. Und nicht nur in Baxley ist das so, an vielen anderen Orten in den USA ist es ähnlich.

Knapp 100 Menschen sterben jeden Tag an der Opioid-Epidemie, die seit der Jahrtausendwende in Amerika wütet. Opioide, das sind morphinhaltige Substanzen wie Heroin, aber auch Schmerzmittel wie Oxycodon, Hydrocodon und das Betäubungsmittel Fentanyl, dessen Suchtpotenzial 50 bis 100 Mal höher ist als Heroin.

 

 
 

16. Oktober 2017

 

Die Welt

Es gibt kein gesundes Übergewicht – im Gegenteil!

Wer dick ist, lebt gefährlich. Das belegen Studien, die sich mit Fettleibigkeit beschäftigen. Auch in Europa haben zu viele Menschen Übergewicht. Besonders dramatisch: der Zusammenhang mit Krebs.

Dr. Carmen Klass kämpft um jedes Pfund, geduldig, beharrlich und jeden Tag aufs Neue. Nicht mit sich selbst – die Onkologin und Hämatologin aus einem Vorort von Atlanta im Bundesstaat Georgia ist schlank, drahtig und flink. Sie kämpft um die Pfunde ihrer Patienten.

Übergewicht und Fettleibigkeit, im Medizinerjargon Adipositas, sind zu einer globalen Epidemie geworden. Mehr als 10 Prozent der Weltbevölkerung ist fettleibig, fand eine von der Gates-Stiftung geförderte Studie der Universität von Washington in Seattle heraus.

Die USA nehmen dabei einen zweifelhaften Spitzenplatz ein: Die Zahl von extrem übergewichtigen Erwachsenen und Kindern ist hier seit 1980 um 16 Prozent angestiegen, mehr als in jedem anderen Land.

 

 

28. September 2017

 

Jüdische Allgemeine

Der stille Rebell

Josh Kushner ist der Bruder des Trump-Schwiegersohns. Politisch liegt er auf anderer Linie und setzt auf Obamacare

Josh Kushner ist einer, der lieber zuhört als redet. Der lieber beobachtet als das Wort führt. Der das Rampenlicht eher meidet als sucht. Das funktionierte auch ganz gut, bis zur Nacht vom 8. auf den 9. November 2016, der Wahlnacht in Amerika. Seither steht Josh Kushner vor einem öffentlichen Dilemma und einem persönlichen Konflikt, der das Zeug für ein Drehbuch à la Hollywood hat.

Joshua Kushner, 32, ist Chef der Wagniskapitalfirma Thrive Capital und Mitgründer des digitalen Krankenkassen-Start-ups Oscar Health, das im Windschatten von Obamacare entstand, der Gesundheitsreform des früheren US-Präsidenten. Außerdem steht er, wie er mehrfach erklärte, den Demokraten nahe.

Josh Kushner ist aber auch der jüngere Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und Berater von Donald Trump.

 

 

25. September 2017

 

Die Welt

Hurricane Hunters: Sie riskieren ihr Leben im Auge des Orkans

Nicht jeder flieht vor „Maria“, „Irma“, „José“ und Co.: Piloten der US Air Force, stürzen sich immer wieder mitten in das Herz eines Wirbelsturms. Die Daten, die sie dabei sammeln, retten Leben.

Ob „Harvey“, „Irma“, „Maria“ oder „José“: Die Hurrikans, die in diesen Wochen über die Karibik, die amerikanische Golf- und Atlantikküste hinwegfegen, hinterlassen nicht nur verwüstete Landstriche. Sie setzten auch eine einmalige Fluchtbewegung in Gang. Soldaten evakuierten mehrere Karibikinseln, der US-Bundesstaat Florida erlebte den größten Exodus seiner Geschichte. Weg vom Sturm, lautete die Anweisung für die Bevölkerung.

Doch nicht jeder hält sich an diese Regel. Ein paar robuste Turboprop-Flugzeuge schlagen bei der Warnung vor einem Hurrikan genau die entgegengesetzte Richtung ein. Sie gehören den Hurricane Hunters, Flugzeugstaffeln der US Air Force und der zivilen Wetterbehörde NOAA, die direkt auf das Innere der Monsterstürme zuhalten.

 

 

14. September 2017

 

Jüdische Allgemeine

Flucht am Schabbat

Hurrikan Irma: Viele Juden aus Florida fanden Asyl in Gemeindezentren in nördlicheren US-Bundesstaaten

Die Sonne schien noch klar und hell, wenn auch etwas falsch, als Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Miami Beach kamen und die pinkfarbenen Kuba-Flamingos in dem kleinen Park, auf den Rachel Levine aus ihrem Wohnzimmerfenster schaut, zusammentrieben. Da wusste Levine: »Es geht bald los. Der große Sturm kommt.«

Irma war nicht der erste Hurrikan, den Rachel Levine und ihr Mann Zadek gesehen haben. Aber die beiden sind immer geblieben, so wie dieses Mal auch. Haben sich eingedeckt mit Wasser, Konserven und Batterien. Sie haben ihre Fenster und Türen mit Sperrholz vernagelt. »Wir würden unser Haus nie im Stich lassen«, sagt die 85-Jährige ein paar Tage später am Telefon, als Irma bereits über Florida hinweg ins Landesinnere gezogen ist. Sie hat den Holocaust überlebt; die Stürme machten ihr keine Angst, sagt sie. Am Freitagabend, als Miami Beach längst zur Geisterstadt geworden war und alle ihre Bekannten geflohen waren, zündeten Rachel und Zadek die Schabbatkerzen an.