26. Juni 2017

 

Deutschlandfunk

Karitative Kliniken als Lückenfüller

In den USA bereiten sich wohltätige Einrichtungen unterschiedlicher Konfessionen auf einen Ansturm von Patienten vor, die auf kostenlose Behandlung angewiesen sind. Denn sollte die Gesundheitsreform Obamacare tatsächlich gekippt werden, könnten Millionen Menschen ihren Versicherungsschutz verlieren.

Das Wartezimmer ist voll, jede der 16 Behandlungskabinen ist besetzt. Ob Karies oder Kronen, Wurzelbehandlung oder Weisheitszähne, Gebiss oder Implantat: Hier in der Ben-Massell-Klinik in Downtown Atlanta gibt es Hilfe für fast jedes Zahnleiden. Ein normaler Vormittag - aber keine normale Zahnarztpraxis.

Ben Massell ist eine wohltätige jüdische Zahnambulanz, die bedürftige Menschen ohne Krankenversicherung kostenlos behandelt. Sie erhält keinerlei staatliche Zuschüsse, finanziert sich ausschließlich von Spenden jüdischer Hilfsorganisationen, Stiftungen und Philanthropen. Ben Massell ist eine von etwa 1.200 rein wohltätigen ambulanten Kliniken in den USA. Bedarf für deren Dienste gebe es immer, sagt Direktor Keith Kirshner.

 

 
 

26. Juni 2017

 

Deutschlandfunk

Kriegspräsident wider Willen

Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 begann das Zeitalter des amerikanischen Interventionismus. Heute, 100 Jahre später, könnte es mit der Präsidentschaft von Donald Trump enden. Der Historiker Manfred Berg hat eine Biographie von Woodrow Wilson geschrieben, der Amerika in den Großen Krieg führte.

Am 2. April 1917 trat der amerikanische Präsident Woodrow Wilson vor den Kongress und sagte jene Worte, die heute in keinem Geschichtsbuch fehlen: Die Welt müsse sicher gemacht werden für die Demokratie. Der Eintritt der USA markierte die Wende im Ersten Weltkrieg.

Der Heidelberger Historiker Manfred Berg hat jetzt eine Biographie des Menschen und Politikers geschrieben, der zum Kriegspräsidenten wider Willen wurde. "Woodrow Wilson. Amerika und die Neuordnung der Welt" – so der Titel – räumt mit zahlreichen Vorurteilen und Zerrbildern über den 28. Präsidenten der USA auf.

 

 
 

15. Juni 2017

 

Jüdische Allgemeine

Gott und die Pilze

Auch Juden suchen bisweilen geistige Erleuchtung durch Drogen. Eine Studie untersucht jetzt den Zusammenhang zwischen Rausch und Religion

Rabbi Dov raucht gerne ein bisschen Gras am Freitagnachmittag, wenn er sich auf den Schabbat vorbereitet, nicht exzessiv, immer nur einen kleinen Joint. »Dann kann ich mich besser auf den Feiertag fokussieren«, sagt er, »kann die Alltagsdinge leichter hinter mir lassen.«

Dov (29) ist orthodoxer Jude, aufgewachsen in Borough Park in Brooklyn, dem größten Charedi-Viertel außerhalb Israels. Er hat dort das Rabbinerseminar besucht und arbeitet heute als Lehrer in der Erwachsenenbildung in einem Chabad-Haus in Philadelphia.

Religion und Rausch: Das Thema ist derzeit im Gespräch, nicht zum ersten Mal und nicht nur unter Juden. Einer der Gründe ist eine Studie, die die Johns Hopkins University in Baltimore gemeinsam mit der New York University durchführt. Darin geht es um die Wirkung von psychedelischen Drogen auf Geistliche verschiedener Religionen: Priester, Mönche, Imame, Rabbiner.

 

 

4. Juni 2017

 

Welt am Sonntag

„Die Kohle-Industrie stirbt – egal, was Trump sagt“

Die ökologischen Folgen des Klimaschutz-Ausstiegs halten US-Wissenschaftler für verkraftbar. Doch sie warnen davor, wirtschaftlich zurückzufallen – und Europa und China ein Geschenk zu machen.

Kaum jemand war entsetzter von Donald Trumps Aufkündigung des Pariser Klima-Abkommens als Amerikas Ökologen. „Ein erstaunliches Konzentrat aus den Argumenten der Klima-Leugner und der Kohle-Lobby“ - so beschrieb US-Klimaforscher Benjamin Santer die Rede des Präsidenten im Rosengarten des Weißen Hauses.

Lawrence Krauss geht indes nicht davon aus, dass sich Trump bei seiner jüngsten Entscheidung von wie auch immer verstandenen Umweltargumenten hat leiten lassen. „Das Pariser Abkommen hat keine Zähne“, sagt der bekannte Physiker und Buchautor („Ein Universum aus Nichts“) der WELT AM SONNTAG. „Die Trump-Administration hätte das Abkommen auch unterlaufen können, ohne offiziell auszutreten.“ Krauss treibt vor allem eine andere Sorge um. Trumps Ankündigung sei „ein klares Signal, dass diese Administration die weltweite Führungsrolle der USA in Technologie und Wirtschaft abgeben will“ – und zwar an China und Europa. „Das ist der sicherste Weg, zu einer zweitrangigen Macht zu werden.“

 

 

29. Mai 2017

 

Deutschlandfunk

Progressiv und Konservativ

Afroamerikaner gelten traditionell als religiöser als ihre weißen Landsleute in den USA. Und schon immer ging es in den schwarzen Kirchengemeinden um Fragen von Gerechtigkeit und Freiheit. Das ist bis heute so: Viele Prediger scheuen sich nicht, die Tagespolitik zornig von der Kanzel zu kommentieren.

"Elija is worshipping the God of Moses, rather than the God of Mar-a-Lago …" Der biblische Prophet Elija betete zum Gott von Mose - und nicht zum Gott von Mar-a-Lago, dem protzigen Anwesen von US-Präsident Donald Trump in Florida. So wetterte Raphael Warnock, Pastor an der Ebenezer Baptist Church in Atlanta, in seiner Sonntagspredigt.

Kirchen spielen in den USA seit jeher eine gesellschaftliche Schlüsselrolle: Sie sind Heimat und Schutzraum, Begegnungsstätte und Wohlfahrtsorganisation. Besonders afroamerikanische Kirchen verstehen sich als wichtige Plattformen im Kampf für soziale Gerechtigkeit.